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Generelle Kritik am Datenschutz bei Facebook Facebook steht regelmäßig für seine miserabelen Datenschutzpraktiken in der Kritik. Besonders hervorzuheben ist hierbei ein Bericht der Stiftung Warentest, welcher den Datenschutz 10 führender sozialer Netzwerke miteinander vergleicht. Facebook belegt hierin zusammen mit LInkedIn und Myspace die hintersten Plätze wegen "erheblicher Mängel" beim Datenschutz.[59] Oft
berufen sich Facebook-Befürworter darauf, dass ein guter
Datenschutz bei sozialen Netzwerken systembeding kaum möglich
sei. Allerdings zeigen andere soziale Netzwerke wie StudiVZ und SchülerVZ
laut dem Test dass ein erheblich besserer Umgang mit Nutzerdaten durchaus
möglich ist.[60] Auf Facebook ist es möglich, sich mit einer fiktiven Identität anzumelden. Der Nutzer wird jedoch ausdrücklich dazu aufgefordert, sich mit seinem echten Vor- und Nachnamen sowie seinem Geburtsdatum anzumelden. Die Eingabe von zwei Namen (also Vor- und Nachname) ist erforderlich. Zwar findet keine Überprüfung der realen Identität eines Benutzers statt, jedoch löschte Facebook schon mehrmals in automatisierter Form ohne Vorwarnung Profile mit ungewöhnlichen Namen, hinter denen ohne Einzelrecherche unechte Identitäten vermutet wurden.[61] Dadurch wurden auch Profile real existierender Personen gelöscht. Die Veröffentlichung von persönlichen Daten ist den Nutzern freigestellt.
Bei
der Eröffnung eines Facebookkontos wird nicht sofort überprüft,
ob man auch Besitzer der angegebenen E-Mail-Adresse ist. So kann der
Anmelder eine fremde E-Mail angeben und über die Funktion "Freunde
finden" die 20 Personen sehen, mit der der E-Mail-Besitzer Kontakt
hatte.[62] Facebook
hat eine Kooperation mit den Mailprovidern GMX und Web.de. Wenn z.B.
ein GMX-Nutzer Nachrichten an eine E-Mail-Adresse
eines Facebooknutzers
schreibt, wird der GMX-Nutzer darüber informiert, dass der Empfänger
seiner E-Mail bei Facebook registriert ist und wie dessen Vor- und
Nachname lautet. Während der Registrierung bei Facebook wird darauf
nicht hingewiesen. In den FAQ von GMX gibt es einen Eintrag, der den
Zusammenhang erläutert und eine – nicht mehr aktuelle – Anleitung
enthält, wie diese Funktion in den Einstellungen von Facebook
deaktiviert werden kann.[63] Aktuell (April 2011) findet man die Möglichkeit
zur Deaktivierung bei Facebook unter Konto / Privatsphäre-Einstellungen
/ Anwendungen und Webseiten / Öffentliche Suche. Am 7. Oktober 2007 kündigte Facebook an, in allen vorhandenen Nutzerprofilen von mehr als 50 Millionen registrierten Nutzern personalisierte Werbung zuzulassen. Dabei sollen den bislang interessierten 60 Konzernen und Unternehmen persönliche Daten der Nutzer zur Verfügung gestellt werden. Neben Alter, Geschlecht, Lieblingsbeschäftigungen, Wohnort, politischer Überzeugung, Lieblingsbüchern und -filmen umfassen die bereitgestellten Informationen auch den Bildungsstand und Hinweise auf persönliche Beziehungen. Dagegen wendet sich in den Vereinigten Staaten erste Kritik, wie von Facebook-Nutzer Nate Weiner im Gespräch mit AP: „Was wäre, wenn du ein Buch bei Amazon kaufst, das ‚Der Umgang mit Aids‘ heißt, und jeder einzelne deiner Freunde erfährt davon?“ Denn das Problem ist, dass nun ein Unternehmen immer mehr persönliche, schlecht zu kontrollierende Angaben seiner Kunden (mit deren formeller Erlaubnis) speichert, das aber im Alltag nicht bewusst macht.[64] Ein Artikel im Guardian vom 14. Januar 2008 kritisierte die Gründer und Besitzer des Unternehmens in zahlreichen Punkten. Unter anderem zeigte er auf, wie die libertäre Gesinnung des Investors Peter Thiel, eines aus Deutschland stammenden Hedgefonds-Managers, einen Einfluss auf die Funktionsweise und Ausrichtung des Unternehmens haben könnte.[65]
Facebook änderte im Februar 2009 die Nutzungsbedingungen (Terms
of Service) dahin gehend, dass das Unternehmen die Daten von Mitgliedern
zeitlich unbegrenzt verwenden durfte – auch nach Löschung
bzw. Deaktivierung eines Nutzerkontos. Die Regelung betraf beispielsweise
Kommentare, Fotos und Videos.[66] Nach massiven Protesten von Nutzern,
Daten- und Verbraucherschützern wurden die Regeln zunächst
wieder auf den Stand vor den Änderungen zurückgesetzt.[67]
Zudem kündigte das Unternehmen an, in bestimmten Fällen seine
Nutzer künftig über Regeländerungen abstimmen zu lassen.[68]
Im April 2009 stellte Facebook modifizierte Nutzungsbedingungen zur
Abstimmung, in denen Nutzern der Besitz ihrer Informationen zugesichert
wird. Eine Mehrheit der Teilnehmer befürwortete die neuen Regeln.[69]
Obwohl die Inhalte (z. B. Fotos) im Besitz der Nutzer bleiben, erhält
Facebook das Recht, alle Inhalte kommerziell zu nutzen und die Nutzungsrechte
an Dritte weiterzugeben.[70] Auch nach der Änderung der Nutzungsbedingungen
kommt Facebook immer wieder wegen seiner lockeren Datenverwertung in
die Schlagzeilen. So speichert das Unternehmen nach einem Update auf
dem Handy Kontaktdaten. Aber auch über eine Suchfunktion, über
die Mitglieder die noch nicht gefundenen Freunde auf Facebook mit den
Daten aus der E-Mail-Kontaktliste des Mailproviders abgleichen und
finden können, werden Daten von Nicht-Mitgliedern dauerhaft und
ungefragt gespeichert.[71] Zuletzt wurden die Nutzungsbedingungen von
Facebook indirekt durch ein Urteil des Oberlandesgerichtes Köln
bestätigt. Ein Nutzer hat ein Foto von sich in seinem Nutzerprofil
veröffentlicht. Eine Personensuchmaschine hatte dieses übernommen.
Das Oberlandesgericht Köln wies die auf Unterlassung gerichtete
Klage des Nutzers mit der Begründung zurück, dass dieser
mit der Einstellung seines Fotos seine Einwilligung in einen Zugriff
durch die Personensuchmaschine zumindest konkludent erklärt hätte.
Zudem hätte er von der ihm von Facebook in den Nutzungsbedingungen
eingeräumten Möglichkeit der Sperre gegenüber Suchmaschinen
keinen Gebrauch gemacht, auf die das Gericht ausdrücklich verwiesen
hat.[72] Mitte
2009 wurde bekannt, dass die iranische Polizei Facebook-Profile benutzt,
um bei Verhören den Freundeskreis
von Regimegegnern und Demonstranten auszumachen und namentlich zu
identifizieren.[73] Im
November 2009 veränderte Facebook die Standardeinstellungen
zur Privatsphäre. Die Voreinstellungen sind nun so, dass möglichst
viele Informationen öffentlich sichtbar sind. Darüber hinaus
waren bestimmte Informationen, darunter Name, Profilfoto, Freunde und
Gruppenzugehörigkeiten seitdem immer öffentlich sichtbar,
auch wenn Nutzer zuvor andere Einstellungen vorgenommen hatten – die
früheren Schutzmöglichkeiten waren bei diesen Punkten entfallen.
Im Mai 2010 wurden diese Missstände durch umfassende Veränderung
und Vereinfachung der Privatsphären-Einstellungsmöglichkeiten
behoben.[74] Seitdem sind lediglich Name, Profilbild und User-ID zwangsweise
für alle anderen Facebook-User sichtbar, sämtliche anderen
Informationen können über die Privatsphären- oder Profileinstellungen
auf nicht-öffentlich gestellt werden. Die Internet-weite Auffindbarkeit
z.B. durch Suchmaschinen ("Öffentliche Suche") kann
für sämtliche Informationen ausgestellt werden. Extremistische Einträge Auf
Facebook existieren zahlreiche Benutzerseiten mit extremistischem
Inhalt,
z. B. Seiten zu Diktatoren.[75] Im April
2009 hatte eine Benutzerin über
200 Nazi-Seiten gesammelt, mit beispielsweise Namen wie Großdeutschland,
Erwin Rommel Fan Club oder Holocaust Party, mit meist NS-Propaganda.
Sie schrieb daraufhin einen offenen Brief an Facebook mit der Aufforderung,
die Profile der Neonazis zu löschen, oder es komme zu einer Anzeige
wegen Volksverhetzung. Am 17. April 2009 stoppte die Deutsche Telekom
ihre Werbung auf Facebook mit Hinweis auf „rechtsextreme“ Websites
auf dem Portal.[76] Auch die Bundeszentrale für politische Bildung
beobachtete Facebook.[77][78] Facebook erklärte daraufhin, man
wolle keine Benutzer mit einer Zensur verschrecken, nehme aber die
Nutzungsbedingungen sehr ernst und würde entsprechende Gruppen
löschen.[79] Im
Februar 2010 kam an die Öffentlichkeit, dass Facebook auch
die Daten von Bürgern speichert, die willentlich nicht bei Facebook
angemeldet sind.[80] Facebook bietet den Nutzern von Smartphones eine
kostenlose Software („App“) an, um ihre Kontakte aus ihrem
Telefonbuch mit den Kontakten in Facebook zu synchronisieren. Dabei
werden standardmäßig sämtliche Nach- und Vornamen,
Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Geburtstage hochgeladen und bei
Facebook gespeichert. Nutzer berichten, dass dadurch auch die Verknüpfungen
und Bekanntschaften von nicht angemeldeten Bürgern ersichtlich
werden und bei einer möglichen Neuanmeldung der betreffenden Person
bereits umfassende Freundeslisten vorgeschlagen werden. Diese Art der
unwillentlichen Datenerhebung widerspricht dem in Deutschland geltenden
Recht der informationellen Selbstbestimmung. Inzwischen bietet Facebook
zwar ein Kontaktformular[81] an, das es Nicht-Mitgliedern erlaubt,
nach Eingabe der eigenen E-Mail-Adresse alle damit verbundenen Daten
löschen zu lassen. Diese Methode ist jedoch nur von Nutzen, wenn
Facebook eine Mailadresse bereits mit den anderen gesammelten Daten
verknüpft hat. Nach der Aussage Peter Schaars, des Datenschutzbeauftragten
der Bundesregierung, könnten Bürger rechtliche Schritte einlegen.
Das US-Unternehmen müsse sich deutschem Recht beugen.[82] Am
18. Oktober 2010 veröffentlichte das Wall Street Journal einen
Bericht über die Weitergabe von Nutzer-IDs an Drittanbieter. Zahlreiche
Facebook-Applikationen konnten durch die Referrer-Informationen des
Browsers die ID der Nutzer auslesen und somit potentiell Rückschlüsse
auf die reale Identität des Benutzers ziehen.[83] Durch
bösartige Scripte die sich Facebook-Funktionen zu nutze
machen, werden Benutzer belästigt oder ausspioniert.[84] Facebook
informiert seine Kunden unzureichend und beschränkt sich vorwiegend
auf das, vom Nutzer oft unbemerkte, Beseitigen des Schadcodes.[85] Erschwerung der Kontolöschung Wenn sich ein Facebook-Nutzer entscheidet sein Profil zu löschen, so gestaltet sich dies als ein komplizierter Vorgang, in dem der Nutzer mehrfach dazu genötigt wird sein Facebook-Profil zu behalten, bzw. nur temporär zu deaktivieren. Eine endgültige Abmeldung und Löschung des Profils kann sich somit über mehrere Monate hinziehen und verlangt zahlreiche Bearbeitungsschritte oder teilweise sogar fortgeschrittene Computer-Kenntnisse (z.B. gezielte Löschung von Cookies) über die viele Nutzer nicht verfügen. [86] Dieser Aufwand rechtfertigt für viele User nicht den Nutzen, den sie aus einer Profillöschung ziehen, was oft bewirkt, dass viele Nutzer ihr Profil doch lieber behalten und ggf. zu einem späteren Zeitpunkt reaktivieren. Datenschüzer kritiseren diese Vorgehensweise von Facebook als gezielte Einschränkung der Konsumfreiheit, weshalb im Netz immer mehr Anleitungen zur Löschung von persönlichen Daten und Profilen kursieren[87]; deren Funktion ist aber oft umstritten.
Im Jahr 2011 wurde Facebook (gemeinsam mit Apple) der Negativpreis Big Brother Awards als Datenkrake zuerkannt.[88] Gesichtserkennungssoftware Die Freischaltung einer Software zur Gesichtserkennung, die automatisch auf neu hochgeladenen Fotos nach Gesichtern anderer Facebooknutzer sucht, um entsprechende Markierungen der Bilder vorzuschlagen, löste bei Datenschützern heftige Kritik aus. Die Funktion wurde in den Vereinigten Staaten im Dezember 2010 und in weiteren Ländern im Sommer 2011 für sämtliche Nutzerkonten aktiviert. Der Dienst gleicht die Gesichter und Namensnennungen auf älteren Fotos mit den neuen Aufnahmen ab und sucht dort nach diesen Gesichtern. Will ein Nutzer diesen Dienst nicht in Anspruch nehmen, muss er ihn manuell abschalten.[92]
Über Facebook gibt es die Möglichkeit, zu Veranstaltungen einzuladen. Dabei hat der Benutzer zwei Möglichkeiten: Er kann eine öffentliche Veranstaltung ausschreiben oder privat zu einer Veranstaltung einladen. Die Option „öffentlich“ muss durch Löschen eines Häkchens deaktiviert werden. Durch Fehlbedienung dieser Option kommt es immer wieder zu Versehen, bei denen als privat geplante Einladungen unbeabsichtigte Megapartys auslösen. Auch bewusst als „öffentlich“ geplante Facebook-Partys können sich wegen der nicht begrenzten Besucherzahl zu kaum steuerbaren Massenveranstaltungen entwickeln. Während die Mehrzahl der Facebook-Partys überwiegend friedlich verläuft, kommt es in Einzelfällen zu Ausschreitungen, die erhebliche Medienaufmerksamkeit finden: _______________________________________ Bitte diese Stelle (die recht langwierig und aufzählenden Charakter hat) direkt in Wikipedia nachlesen... _________________________________________ Facebook hatte lange Zeit auf die Probleme nicht
reagiert.[116] Nicht zuletzt durch den verstärkten öffentlichen und politischen
Druck sowie durch das Erscheinen des Konkurrenten Google+ im Sommer
2011 (bei dem der Nutzer die Einstellungen relativ genau steuern kann[117])
hat Facebook erstmals Verständnis für die Ordnungsbehörden
geäußert: In einem Gespräch mit dem Bundesminister
des Innern am 8. September 2011 hat Ricard Allen (Director European
Policy Facebook) angeboten, einen Leitfaden zu erarbeiten, der den
Behörden schnell erreichbare Ansprechpartner bei Facebook sowie
Maßnahmen nennen soll.[118] Bislang liegt dieser Leitfaden nicht
vor. „ Gefällt mir“-Knopf und Fanseiten Der von Facebook für die Anbieter anderer Webseiten bereitgestellte „Gefällt mir“-Knopf bzw. -Schaltfläche (englisch „Like Button“) geriet im Sommer 2011 in die Kritik, nachdem bekannt wurde, dass beim Besuch von Seiten, auf denen sich dieses Plug-in befindet, automatisch ein zwei Jahre lang gültiges Cookie ausgelesen wird, das dem Nutzer ohne seine Zustimmung vorher beim Anschauen von Facebookseiten auf seinen Computer übertragen wurde. Dieses Auslesen findet dabei unabhängig vom Anklicken des „Gefällt mir“-Knopfes statt und unabhängig davon, ob der Besucher einer Website Mitglied bei Facebook ist oder nicht. Von Besuchern einer Seite mit dem „Gefällt mir“-Knopf, die mit ihrem Computer zuvor noch keine Facebook-Seite besucht haben, sammelt der Cookie Informationen wie IP-Adresse und Browsertyp. Bei Personen, die selbst Mitglieder bei Facebook sind, und eine Seite besuchen, die das Plug-in enthält, können die Informationen über das Aufrufen der Seite mittels des Cookies sogar mit ihrem Facebook-Nutzerprofil zusammengeführt werden.[119] Da auf diese Weise ein Profil der Bewegungen im Internet erstellt werden kann, das all die Seiten mit der Anwendung aufzeigt, die ein Nutzer besucht hat, entschied das deutsche Verbraucherschutzministerium, dass die Anwendung, bis zur Sicherstellung einer datenschutzkonformen Lösung, nicht mehr auf Webseiten von Behörden eingebunden werden soll. Ebenso wurde Politikern empfohlen ihre privaten Fanseiten bei Facebook abzuschalten, da diese das Cookie auf die Computer ihrer Besucher übertragen.[120] |